Eine Lochkamera basiert auf dem Prinzip der Camera Obscura. Ein guter Artikel hierüber ist z.B. bei Wikipedia zu finden. Prinzipiell entsteht das Bild bei einer Lochkamera aufgrund der geradlinigen Ausbreitung des Lichts durch ein kleines Loch hindurch. Das Bild welches die Lochkamera erzeugt steht dabei auf dem Kopf und ist seitenverkehrt.
Bevor wir mit dem Bau einer Lochkamera beginnen konnten waren allerdings noch einige Fragen zu klären wie welches Gehäuse ist sinnvoll, eckig, rund, welche Größe, welches Fotopapier (Positivpapier) kann verwendet werden, Montage, Lochgröße, geometrische Anordnung, Belichtungszeit, Entwicklung, Umwandlung in ein Positiv usw. usf. Hört sich schwierig an, war es am Ende aber ganz und gar nicht, im Gegenteil, die Umsetzung war recht einfach und die Ergebnisse überraschend gut.
Die Lebkuchendosen-Lochkamera
Vermutlich auch aufgrund der geografischen Nähe zu Nürnberg fiel unsere Wahl auf eine Lebkuchendose die es hier in Franken um die Weihnachtszeit zu Hauf gibt. Von der Größe her passt in diese Dose Fotopapier bis knapp 13 x 18 cm. Die Längsseite musste ich bei diesem Papier allerdings auf etwa 11,5 cm kürzen, das gibt dadurch einen leichten Panorama-Effekt bei den Bildern. Etwas geeigneter wäre Fotopapier von 9 x 13 cm. Aufgrund der Rundung der Dose ist an den Bildseiten mit Verzerrungen zu rechnen, die allerdings den Bildern auch einen besonderen, speziellen ‚Look‘ geben.
In die Dose wurde auf etwa halber Höhe mittels einer Nähnadel ein kleines Loch gebohrt, der Idealdurchmesser liegt vermutlich bei 0,5 mm herum, bei meiner Dose waren es etwa 0,75 mm. Idealdurchmesser da bei diesem Durchmesser der beste Kompromiss aus Schärfe (je kleiner das Loch desto schärfer) und Belichtungszeit (je größer das Loch desto kürzer die Belichtungszeit) erreicht wird.
Innen wurde die Dose mit schwarzen Tonpapier ausgeklebt, das Loch natürlich frei gelassen. Der Deckel wurde zusätzlich noch mit einer Lichtdichtung aus schwarzen Tonpapier versehen. Der ‚Verschluß‘ des Lochs wurde mit einem Stück Klebeband und wieder schwarzen Tonpapier realisiert.
Das war schon der ganze Kamerabau, hat kaum mehr als 30 Minuten gedauert (!)

Das Fotopapier und der Entwickler
Bei Verwendung von Fotopapier (Positivpapier) entstehen in der Kamera Negative, diese müssen noch invertiert werden, aber dazu später mehr. Grundsätzlich kann beliebiges Fotopapier verwendet werden, für den Einstieg empfehle ich aber rot-unempfindliches PE Papier mit variabler Gradation. Dieses macht die Verarbeitung in der Dunkelkammer bei Rotlicht (z.B. helle rote LEDs oder eine klassische rote Dunkelkammerleuchte) sehr einfach.
Als Entwickler kann jeder Standard Positiv-Entwickler verwendet werden. Bei mir kam das Fotopapier von Easy Print RC 311 – Hochglänzend (PE) 12,7×17,8 CM und der Entwickler Adox NEUTOL ECO zum Einsatz. Fixiert wurde mit Adox Adofix. Die Materialien können z.B. bei Fotoimpex beschafft werden aber auch bei anderen Distributoren wie z.B. Macodirect.
Die Kamera im Einsatz
Die Kamera muss natürlich unter Rotlicht mit einem Fotopapier geladen werden. Falls der Deckel anschließend zu lose sitzt kann dieser mit Klebeband fixiert werden damit er nicht abfallen kann und dann kann es schon los gehen.
Die Belichtungszeit hängt von der Geometrie der Lochkamera ab, der Empfindlichkeit des verwendeten Fotopapiers und dem Lochdurchmesser. Im Prinzip kann man das alles ausrechnen, alternativ probiert man es einfach aus. Üblicherweise liegen die Belichtungszeiten bei Lochkameras zw. wenigen Sekunden und etlichen Minuten, je nach Geometrie der Kamera, Lochdurchmesser und in Abhängigkeit von der Beleuchtungssituation.
Bei der o.g. Lebkuchendosen-Lochkamera liegt die Belichtungszeit an sonnigen Tagen bei rund 20 Sekunden, im Schatten bei etwa 40 Sekunden. Diese Belichtungszeiten lassen sich noch seht gut mit der ‚Hutmethode‘ meistern.
Während der Belichtungszeit darf die Kamera natürlich nicht bewegt werden, also am besten die Kamera auf den Boden, einen Tisch o.ä stellen, dann den ‚Verschluß‘ öffnen und belichten. Nach der Belichtung kann entwickelt werden. Und daran denken, die geladene Dose darf nur im Dunkeln unter Rotlicht geöffnet werden.

Eine Lochkamera erlaubt üblicherweise nur ein Bild, nach der Belichtung geht es daher in die Dunkelkammer. U.u. ist es auch möglich draußen in einem großen Wechselsack ein neues Fotopapier in die Lochkamera einzulegen und das bereits belichtete licht-sicher zu verstauen, das habe ich aber noch nicht probiert.

Da das Fotopapier nicht rotempfindlich ist werden die Farben etwas ungewöhnlich in Graustufen umgesetzt. Das Ergebnis erinnert ein wenig an orthochromatische SW-Filme aus der frühen Zeit der Fotografie. Diese Filme waren nur blau/grün empfindlich und für rotes Licht gar nicht empfindlich. Bildelemente die einen hohen Anteil and rot/orange haben werden hier recht dunkel bis hin zu schwarz wieder gegeben während blauer Himmel sehr hell wieder gegeben wird.
Die Entwicklung
Die Entwicklung erfolgt wie bei jeden Fotopapier in drei Bädern unter Rotlicht. Notwendig sind dazu drei passende Schalen und eine Zange um die Bilder anfassen zu können. Zuerst im Entwickler, bei dem o.g. Adox Neutol sind das zw. 40..60 Sekunden, dann geht es kurz weiter in ein Stoppbad (2% Essigsäure) und von dort mind. eine Minute in das Fixierbad, bei uns Adox Adofix. Nach gründlicher Spülung unter fließend Wasser kann das Bild mit einer Wäscheklammer zum Trocknen aufgehängt werden. Die Flüssigkeiten sollten dabei eine Temperatur um die 20°C haben.

Die Weiterverarbeitung
Nun kommt bei der direkten Verwendung von Positivpapier in einer Lochkamera im Ergebnis ein Negativ aus dem Entwicklungsprozess. Dieses muss noch invertiert werden. Hier bieten sich zwei Möglichkeiten an, eine Kontaktkopie in der Dunkelkammer und erneute Entwicklung des dann Positivs oder die Weiterverarbeitung am Computer (hybrider Ansatz). Ich habe ich die ‚Negative‘ mittels eines Flachbrettscanners gescannt und am Computer invertiert und dann weiter verarbeitet. Das hat den Vorteil, dass am Computer wenn notwendig noch Helligkeit, Kontrast und Gamma angepasst werden können. Hinzu kommt, dass die Scanner-Software meist auch noch kleine Bildfehler (z.B. Flecken) automatisch korrigiert. Vom Rechner können dann auch die fertigen Positive ausgedruckt werden.

Die ersten Ergebnisse
Die ersten Bilder waren Testaufnahmen um die richtige Belichtungszeit zu ermitteln. Bereits nach wenigen Versuchen kamen die ersten korrekt belichteten Bilder aus der ‚Dose‘. Interessant sind auch die ungewöhnlichen Perspektiven die sich bei den Bildern ergeben. Die Lochkamera steht zuweilen auf dem Boden während der Belichtung was bei normalen Kameras eher selten der Fall ist, hinzu kommt die Verzeichnung/Verzerrung an den Bildseiten aufgrund der runden Form der Lochkamera.

Mein Dank gilt meinen beiden Söhnen die mit viel Engagement, Motivation und Geduld bei diesem Projekt mitgebastelt, fotografiert und entwickelt haben! Ohne sie hätte ich mit diesem Projekt vermutlich nie angefangen.