Meine Rückkehr zur Filmfotografie

Ursprünge

Ich wurde in den 68-zigern geboren und began meine ersten fotografischen Geh-Versuche Anfang der achtziger Jahre mit der alten Agfa Click 6×6 Kamera meiner Mutter. In der Tat gelang mir mit dieser Kamera in der Dämmerung sogar meine allererste Aufnahme von einer Stern (Arkturus). Nicht viel später kaufte ich von einem Freund eine alte Voigtländer Bessa 6×9 mit 105mm F/3,5 mit der ich als passionierter Amateuerastronom meine ersten echten nachgeführten Astrofotos Anfang der achtziger Jahre geschossen hatte. Nach dem Kauf einer Olympus OM1N nebst drei Festbrennweiten hatte ich die Bessa allerdings wieder verkauft. Die Olympus, übrigens eine hervorragende vollmechanische Kamera, begleitete mich mehrere Jahre bis man sie mir auf Reisen in Bangkok Anfang der Neunziger stahl.

Sternbild Schwan, manuell nachgeführte Aufnahme – Bessa 6×9 – 1984
Sydney Opera and Habour Bridge – OM1N – 1988

Reise- und Astrofotografie

Nach einer kurzen Durststrecke erstand ich dann eine Nikon FM2n nebst mehrerer Festbrennweiten. Seinerzeit die ideale Kamera für Astrofotografie da rein mechanisch, mal abgesehen vom Belichtungsmesser. Für die nächsten 10 Jahre war die Nikon für Astrofotografie aber auch auf Reisen mein ständiger Begleiter. Zahlreiche Filme sind durch die Kamera gewandert, Fujichrome 400 für die Astrofotografie und insbesondere Kodachrome 64 auf Reisen. Nebenbei habe ich ein wenig mit Scharzweiß-Fotografie und der Entwicklung von Negativen und Positiven gespielt, allerdings nie wirklich ernsthaft, die Farbfotografie lag mir seinerzeit näher.

Thailand – FM2n auf Kodakchrome 64
Thailand – FM2n auf Kodakchrome 64

Digitalisierung

Anfang der 2000-er began auch für mich die fotografische Digitalisierung. Beginnend mit diversen digitalen Kompaktkameras von Canon und Casio endete ich bei einer Canon EOS 450D. Im Laufe der Jahre sind so zig-tausende digitaler Fotos auf Festplatte gewandert, ihr kennt dies vermutlich.

Was ich in den ganzen digitalen Jahren immer vermisst hatte waren Papierabzüge der Fotos. Hätte ich machen können aber vermutlich war das in dem ganzen digitalen Hype der Nuller-Jahre nicht mehr hipp. Irgendwann fing ich an Fotobücher zu erstellen aber auch diese ließen das Gefühl der alten Fotoalben vermissen.

Zurück zum Film

Vor nunmehr etwas mehr als einem Jahr, meine Kinder mittlerweile dem Kindergartenalter entwachsen, entdeckten diese bei mir im Arbeitszimmer hinten in einem Schrank meine alte Nikon. Hochgradig interessiert und neugierig, wie Kinder in diesem Alter so sind, löcherten sie mich mit zahlreichen Fragen dazu. Dass es eine Kamera ist wussten sie allein aufgrund der äußeren Ähnlichkeit zu meiner EOS 450D, allerdings vermissten sie das Display auf der Rückseite und bestaunten die vielen Dreher und Knöpfe an Kamera und Objektiv. Das Ende vom Lied war, ich ließ mich dazu breitschlagen einen Film zu kaufen und die Kamera einmalig, so dachte ich damals, zu reaktivieren.

Also machte ich mich auf die Suche nach Filmen im nächstliegenden Einkaufszentrum und zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass es in Drogeriemärkten wie Müller, DM und Rossmann tatsächlich noch Filme zu kaufen gibt. Und zu meinem großen Erstaunen sogar Schwarzweiß Filme ! Da war ich wirklich baff und fing Abends und die folgenden Tage immer intensiver an zu recherchieren und stellte überaus erstaunt fest, dass die analoge Filmfotografie in den letzten Jahren ein Revival erlebt und dass sich zu den Fotografen die nie aufgehört haben auf Film zu fotografieren eine neue Community gerade junger Leute gesellt hat welche erstmalig die Filmfotografie erleben. Zu diesen Gruppen gesellen sich dann noch Enthusiasten wie ich nun, die nach einem langen Ausflug in die digitale Fotografie die Filmfotografie für sich wieder entdecken.

Walberla – Fujicolor C200 in FM2n – erster Film nach über 15 Jahren analoger Auszeit

Und so kam es, dass sich ein zweiter Film zu dem ersten gesellte, dann der erste Schwarzweiß-Film (Ilford FP4+) der dann natürlich auch selbst entwickelt werden wollte usw. usf. Wohlwissend, dass die Bildqualität die ich mit 35mm Film erreichen kann i.d.R. hinter der meiner EOS 450D bleiben wird war ich doch sehr angetan von den ich nenne es mal unterschiedlichen Charakteren die die verschiedenen Filme mitbringen, insbesondere die Schwarzweiß-Filme. Ich habe nun wieder ganz altmodische Filmalben wo ich meine best-off archiviere und es kommt mir jedes Mal fast wie Weihnachten vor wenn ich einen frisch entwickelten Film endlich in den Händen halten kann oder die Abzüge eines neuen Films vom Labor bekomme bekomme.

Winter 2018/19 – FM2n auf FP4+

Nachdem die ersten Ergebnisse doch recht ermutigend waren, insbesondere auch die Schwarzweiß Filmentwicklung began ich mich geziehlt nach analogem Equipment umzusehen um meine Ausrüstung zu ergänzen und im Laufe der Monate fand ich zwei weitere Objektive, ein 50mm F/1,4 AIS und ein 28 mm F/2,8 AI. Darüber hinaus benötigte ich noch ein weiteres Gehäuse um gleichzeitig in Schwarzweiß und in Farbe fotografieren zu können. Nach einigen Recherchen entschied ich mich ganz bewußt für eine Nikon F301. Nach einer Weile fand ich eine F301 in außerordentlich gutem Zustand und dazu auch noch recht günstig in der Bucht.

Über die Nikon F301 gibt es einige interessante Artikel im Netz, teilweise englischsprachig wobei die F301 in den USA und UK unter der Bezeichnung N2000 verkauft wurde. Der meiner Meinung nach lesenswerteste Artikel in deutsch ist der vom Norbert Michalke auf nikonclassics : Nikon F-301 – das verkannte Aschenputtel?

Im Laufe der vergangenen Monate habe ich meine analoge Ausrüstung weiter ergänzt. Im Rahmen eines Ausflugs in die Welt der Messsucherkameras kam eine Revue 400 SE hinzu und kürzlich wurde mein analoger Nikon Fuhrpark um eine sehr gut erhaltene FE2 und ein 50/1,4 AIS ergänzt. Eine Olympus μ Zoom hat ihren Weg in den vergangenen Monaten auch noch zu mir gefunden. Alle Kameras sind immer wieder (nat. nicht alle gleichzeitig) mit verschiedenen Filmen geladen da ich nach wie vor in der (Film)Testphase bin.

Nach nun mehr etwa 1,5 Jahren analoger Fotografie kann ich sagen, dass ich früher (digital) zwar viel mehr Bilder gemacht habe als heute, heute aber (analog) viel mehr fotografiere als früher.

Ilford FP4