Laut Wikipedia ist Filmkorn :
„Korn oder Filmkorn (engl. Film grain) nennt man in der Fotografie die kleinsten Strukturen des entwickelten Films, die erst bei starker Vergrößerung gut sichtbar werden. Fotochemisch handelt es sich dabei um Zusammenballungen von feinst verteilten Silberpartikeln, die für die Zerrissenheit gleichmäßig geschwärzter Flächen verantwortlich sind.“
Unten ein Beispiel für Filmkorn anhand eines stark vergrößerten SW-Negatives (Ausschnitt) wo das Filmkorn entsprechend deutlich zu Tage tritt.

Bei der Betrachtung von Filmkorn muss unterschieden werden zwischen den Elementen die das eigentliche Bild formen, den Silber-Partikeln bei SW-Negativen resp. den Farbstoffwolken (color dye cloud) bei Farb-Negativen und dem Filmkorn. Letzteres bildet entgegen landläufiger Meinung nicht das Bild. Filmkorn ist nichts anderes als (Film-)Rauschen welches das eigentliche Bild überlagert.
In einem SW-Negativ wird das Bild durch Silber-Partikel gebildet. Diese sind z.B. <= 1 μm groß, das Auflösungsvermögen des Films kann dabei bei <= 10 μm liegen und das visuell sichtbare Filmkorn hat Abmessungen um die 10..30 μm. Analog dazu wird bei einem Farb-Negativ das Bild durch die Farbstoffwolken gebildet.
Aber wie kommt das visuell sichtbare Filmkorn zu Stande ? Die Filmschicht welche die Silber-Partikel resp. die Farbstoffwolken enthält ist nicht unendlich dünn und zweidimensional, die Silber-Partikel/Farbstoffwolken verteilen sich über die Fläche des Negatives aber eben auch über die Dicke desselben. Von oben her betrachtet schauen wir also durch das Negativ hindurch und über die Dicke der Emulsion akkumulieren sich die verteilten Silber-Partikel/Farbstoffwolken zu Filmkorn. Hinzu kommt das Verfahren der Betrachtung bzw. Verarbeitung, Auge+Gehirn, Durchleuchten mit dem Vergrößerer oder einem (Film-)Scanner liefern durchaus unterschiedliche Wahrnehmungen und Repräsentationen des Filmkorns wobei das Korn physikalisch tatsächlich vorhanden ist und weder ein Konstrukt unseres Gehirns noch irgendwelche technischen Artefakte des jeweiligen Prozesses sind.

Silber-Partikel in der Emulsion : Blau
Wahrgenommenes Filmkorn : Schwarz
Filmkorn resp. das Film-Rauschen beeinträchtigt dabei die Schärfe und das Auflösungsvermögen des Films. Die Größe des Filmkorns hängt vom verwendeten Film, dem Entwickler und der Entwicklung des Films ab. In der Regel kann aber davon ausgegangen werden, dass je lichtempfindlicher der Film ist je ausgeprägter, größer oder gröber ist das Filmkorn. Daher sind Filme mit niedriger Empfindlichkeit z.B. ISO 50 oder 100 i.d.R. immer feinkörniger als hochempfindliche Filme mit z.B. ISO 400 oder mehr.
Auch vom Entwickler, der Verwendung von Schärfe-Entwicklern, Fein- oder Feinstkorn-Entwicklern und dem Entwicklungsprozess (Dauer, Mischungsverhältnis, Temperatur, Agitation…) hängt die Größe des Filmkorns ab. Von letzteren darf man sich allerdings keine Wunder erwarten. Die Größe des Korns hängt primär von dem verwendeten Filmmaterial ab.
Hierbei tun sich gerade sog. ‚Flachkristaller‘ hervor. Dies sind modernere Filmemulsionen mit spezieller Kristallstruktur, sog. T-Grain oder Core-Shell Kristallen welche auch bei höher empfindlicheren Filmen zu im Vergleich mit gleich empfindlichen klassischen Filmen sehr feinem Korn führen. Beispiele für diese moderneren Filmemulsionen sind die Ilford Delta Filme, Kodak T-Max oder Fuji Neopan Acros bei Schwarzweiß- und der Kodak Ektar 100 bei Farbnegativ-Filmen.
Digitale Reduktion von Filmkorn
Kann man Filmkorn weiter reduzieren unter Zuhilfenahme digitaler Verfahren und sollte man dies ?
Diese Intention so man diese denn hat kann unter Umständen an dem (möglichen) Dogma der reinen Lehre der analogen Fotografie rütteln, so jedenfalls mein Eindruck aus den einschlägigen Foren und Seiten im Netz. Dort wird heute i.d.R. das Filmkorn als gegeben hingenommen, charakterisiert als eine spezielle und auch gewünschte Eigenschaft des analogen Films welche meist nicht und schon gar nicht digital optimiert werden sollte. Hinzu kommt, dass das analoge Filmkorn zuweilen auch herhalten muss als ein positiv empfundenes Unterscheidungsmerkmal zwischen analogen und rein digital aufgenommenen Bildern.
Dabei wird meiner Meinung nach häufig vergessen, dass Filmkorn zu Zeiten der rein analogen Fotografie, also bis etwas um das Jahr 2000 herum, unter den oben erwähnten Aspekt so kaum gesehen wurde.
Natürlich war das Korn immer schon ein Stilmittel in der künstlerischen Fotografie oder tlw. auch in der Portrait- oder Landschafts-Fotografie aber oft bzw. meistens war das Korn nicht mehr als ein Dorn im Auge des Betrachters und meist war der Wunsch groß dieses Korn zu reduzieren oder wo möglich sogar ganz zu vermeiden. Die technischen Möglichkeiten dazu waren im letzten Jahrhundert allerdings beschränkter als heute. Man behalf sich mit der Verwendung größerer Filmformate wie Mittel- oder gleich Großformat statt Kleinbild-Negative. Durch den dann im Vergleich zu Kleinbild-Negativen geringeren Vergrößerungsfaktor bei der Erstellung von Positiven trat das Korn nicht mehr so störend in Erscheinung bzw. war gar nicht mehr sichtbar. Verschiedenste Fein- und Feinstkorn-Entwickler wurden im Verlauf der Jahrzehnte verwendet um das Korn weiter zu reduzieren. Auch spezielle Filme (T-Grain, Core-Shell) wurden entwickelt um das sichtbare Korn weiter zu reduzieren.
Mit der Digitalisierung in den vergangenen 20 Jahren im Bereich der Fotografie stehen mittlerweile aber auch hervorragende digitale Verfahren zur Rauschminderung und Unterdrückung bei analogen (und digitalen) Fotografien zur Verfügung. Angefangen mit Rauschunterdrückungs-Algorithmen, Filtern usw. in den Standard Bildbearbeitungsprogrammen bis hin zu spezialisierter SW zur Entrauschung von digitalen und analogen Aufnahmen.
Mein Weg Filmkorn zu reduzieren
Ich persönliche sehe dieses Thema nicht dogmatisch. Ich versuche aus beiden Welten das Beste zu kombinieren. Ich fotografiere häufig analog und nur auf Kleinbild. Ich habe somit häufig mit Filmkorn zu tun. Tatsächlich finde ich Filmkorn so es nicht zu auffällig ist meistens recht ansprechend, angenehm und auch passend für analoge Film-Aufnahmen. Ich habe im Verlauf der Jahre meine analoge Technik und Prozesse soweit optimiert, dass ich vom KB ohne weitere digitale Optimierung hinsichtlich Filmkorn Abzüge in A4 und A3 Größe machen kann welche mir persönlich trotz sichtbarem Korn sehr gut gefallen. Dabei arbeite ich hybrid, d.h. Aufnahme und (Negativ-)Entwicklung der Filme ist rein analog, die Weiterverarbeitung ist dann aber digital. Nach der Entwicklung der Negative scanne ich diese mit einem Filmscanner und bearbeite die gescannten Bilder in der digitalen Dunkelkammer weiter. Abschließend wird gedruckt.
Mit Hinblick auf das Filmkorn ist aber zuweilen eine weitere Optimierung notwendig und dann greife ich zu spezialisierter SW da Standard Bildbearbeitungsprogramme i.d.R. keine optimierten Algorithmen haben um Filmkorn erfolgreich zu reduzieren.
Ich möchte z.B. meine analogen Bilder auch am TV großformatig präsentieren, nur leider stellen sich insbesondere nicht weiter optimierte analoge SW-Bilder am Fernseher aufgrund des Korns recht unschön dar. Das Korn wird auf dem Display des Fernsehers aufgrund der Art der Verarbeitung und Darstellung des Bildes im TV stark betont und analoge SW-Bilder sind dort somit häufig sehr unansehnlich.
Bilder die ich am Fernseher präsentieren möchte überarbeite ich daher mit einer speziellen SW, Neat Image, und entrausche diese Bilder damit. Neat Image ist hierbei in der Lage auch speziell das Filmkorn analoger Filme stark zu reduzieren resp. auch ganz zu entfernen ohne dabei bildwichtige Details zu löschen oder an Schärfe und Auflösungsvermögen zu verlieren.
Im Gegenteil, die Ergebnisse sind dabei häufig ganz und gar erstaunlich. Je nach Konfiguration der Filterfunktionen in Neat Image muten die gefilterten und optimierten Bilder bis hin zu digital an. Die Filter können aber auch so konfiguriert werden, dass das Korn nur reduziert wird und der analoge Charakter der Aufnahme nicht ganz verloren geht.
Unten ein Beispiel eines mit Neat Image optimierten Bildes (Ausschnitte). Verwendet wurde ein einfacher klassischer Consumer-Film Agfa APX 100 (New) welcher baugleich ist mit Ilford/Harman Kentmere 100, entwickelt in Rodinal/Adonal.

Im weiteren Verlauf nun Ausschnitte aus dem Bild oben jeweils original mit gut sichtbaren Korn und im Vergleich dazu die mit Neat Image (Default-Konfiguration) hinsichtlich Filmkorn optimierten Bilder.


Insbesondere in gleichförmigen Bildteilen wie dem strukturlosen Himmel tritt das Filmkorn besonders in Erscheinung.


Es ist leicht vorstellbar, dass auch analoge Bilder von Kleinbild-Negativen derart optimiert für große und sehr große Abzüge (> A3) taugen können.
In bestimmten Bildbereichen (Gras/Wald) scheinen die Bilder bei sehr starker Vergrößerung auf den ersten Blick über-optimiert zu sein. Hierbei stellen sich allerdings die Fragen ob diese mögliche Überoptimierung in dem finalen Print, je nach Größe, tatsächlich wahrnehmbar wäre und ob es tatsächlich eine Überoptimierung ist oder ob unser Wahrnehmungsapparat (Auge/Gehirn) uns nicht Strukturen vorgaukelt in Bildbereichen die von Rauschen dominiert werden wo keine tatsächlichen Strukturen mehr im Rauschen existieren ? Ich denke, das ist ein Grenzbereich der aber auch noch mittels der Konfiguration der Filterfunktionen in der SW gesteuert werden kann.

Man beachte wie klein der Ausschnitt ist anhand des Komplett-Bildes oben
Meiner Erfahrung nach produzieren unterschiedliche Filme Korn mit unterschiedlichem Charakter. Dementsprechend führen Versuche das Korn digital zu reduzieren zu unterschiedlichen guten Ergebnissen.
Sehr gute Ergebnisse in der Filmkorn-Reduktion habe ich z.B. mit dem Ilford Delta 100 Filmen welche eh schon ein sehr geringes Korn haben. Der Delta 100 ist ein sog. ‚Flachkristaller‘ der eine spezielle Technologie (Core-Shell) verwendet die zu deutlich feinerem und auch zu einem anderen Korn führt als bei klassischen Emulsionen gleicher Empfindlichkeit.
Zum Vergleich daher unten noch ein Bild aufgenommen mit einem Ilford Delta 100, entwickelt im Wehner-Entwickler, welcher im Übrigen im Vergleich zum FX39 II das Korn noch etwas weiter reduziert.

Nun ein Bildausschnitt aus dem Bild oben, nicht optimiert.

Und hier nun derselbe Ausschnitt aus demselben Bild, nun aber optimiert mit den Default-Einstellungen von Neat Image.

Je nach verwendeter Konfiguration in Neat Image bleibt der analoge Charakter der Aufnahme noch erhalten, hier speziell ein Rest des Filmkorns wie auch in dem Bild oben noch sichtbar.
Warum nicht gleich digital fotografieren ?
Ist eine berechtigte Frage. Die am Ende jeder für sich selbst beantworten muss. Bei mir ist es der Wunsch mit dem alten Equipment, Kameras, Objektive zu fotografieren, hierbei hauptsächlich mit mechanischen Kameras, häufig ohne AF oder sonstige Annehmlichkeiten. Das Thema Nachhaltigkeit spielt hier auch mit hinein. Hinzu kommt, dass ich über die Film-Wahl eine Vielzahl verschiedener ‚Sensoren‘ in meinen Kameras zur Auswahl habe und über die Negativ-Entwicklung weiteren Einfluss nehmen kann. Weiter kommen noch Aspekte wie ‚Entschleunigung‘ bei Verwendung alter analoger Kameras und last but not least natürlich der Spaß den ich an der analogen Fotografie als Hobby habe.
Referenzen/Links
Einen sehr guten und tiefen Einblick in das Wesen von Filmkorn bietet die Arbeit vom Tim Vitale, „Film Grain, Resolution and Fundamental Film Particles“ (PDF Datei, Englisch).
Hier noch ein Link auf die Software Neat Image die ich verwende. Der Vollständigkeit halber noch der Hinweis, dass ich von der dahinter stehenden Firma keinerlei Vorteile erfahre oder erfahren haben aufgrund der Erwähnung der Software in diesem Artikel. Ich gehe auch davon aus, dass es noch weitere Programme von anderen Herstellern resp. Open Source Programme gibt die zu ähnlichen, vielleicht sogar zu noch besseren Ergebnissen führen können.
