Reinigung von Objektiven und Optiken

Das wichtigste dabei vorab, die weiter unten beschriebenen Vorgehensweisen und Empfehlungen habe ich alle in den letzten 35 Jahren selbst erfolgreich angewendet an optischen Komponenten. Nichtsdestotrotz muss ich darauf hinweisen, dass die Anwendung der u.g. Vorgehensweisen auf eigenes Risiko geschieht. Andere Objektive, mit anderen Glassorten und Vergütungen mögen sich anders verhalten als die die ich in den letzten Jahrzehnten in den Fingern hatte.

Die wichtigsten Grundregeln

  • Weniger ist mehr, je seltener optische Oberflächen gereinigt werden (müssen) desto besser. Für viel genutzte Optiken sollte maximal einmal im Jahr reichen
  • Das Reinigen optischer Oberflächen sollte immer nur mit äußerster Vorsicht und Umsicht geschehen
  • Reinigungsflüssigkeit niemals direkt auf eine opt. Oberfläche geben, sprühen oder tröpfeln. Die Flüssigkeit kann dann über die Fassung zwischen die Linsen kriechen was dann eine sehr aufwendige Reinigung inkl. Zerlegen des Objektives nach sich ziehen würde
  • Fingerabdrücke und Pollen sollten möglichst zeitnah entfernt werden da sie Säuren enthalten die die Vergütungen resp. Linsenoberflächen angreifen können
  • Staub auf oder innerhalb von Objektiven ist weniger ein Problem da dieser Staub nur wenig Licht absorbiert oder streut. Solange die Staubpartikel nicht überhand nehmen sind diese kein Grund für eine Reinigung
  • Kratzer, auch Mikrokratzer die aufgrund zu häufiger Putzaktivitäten entstehen führen allerdings zu Streuung des einfallenden Lichtes und auch zu chromatischen Fehlern im Objektiv und sollten soweit möglich vermieden werden. Hinzu kommt, dass Kratzer praktisch nicht mehr rückgängig gemacht werden können

Arbeitsplatz und Werkzeuge

Bei der Reinigung von optischen Elementen ist auf peinlichste Sauberkeit zu achten. Der Arbeitsplatz sollte sehr sauber und soweit möglich staubfrei sein resp. durch geeignete Reinigungsmittel unmittelbar vor Beginn der Arbeit von Staub befreit werden. Für eine ausreichende Beleuchtung sollte ebenso gesorgt werden. Ideal sind flexible und helle Schreibtischlampen die in beliebige Richtungen gedreht und gewendet werden können.

Saubere möglichst fusselfreie Baumwollhandschuhe vermeiden Fingerabdrücke auf optischen Elementen und sollten immer getragen werden wenn optische Elemente sonst nicht sicher z.B. an der Fassung gehalten werden können. Eine OP-Maske vermeidet, dass ungewollt ausgeatmete Partikel auf den optischen Oberflächen landen.

Eine geeignete Reinigungsflüssigkeit für optische Elemente muss verwendet werden. Nach diversen verschiedenen Flüssigkeiten und Mixturen die ich in den vergangenen Jahrzehnten ausprobiert habe bin ich beim Baader Optical Wonder (Baader Planetarium) hängen geblieben welches ich, ohne hier Werbung machen zu wollen, uneingeschränkt empfehlen kann. Außer für große Spiegelteleskop-Hauptspiegel verwende ich diese Reinigungsflüssigkeit bei allen opt. Komponenten.

Möglichst fusselfreie und weiche Taschentücher aus der Box. Hierbei ist darauf zu achten, dass in den Taschentüchern keine Hilfsstoffe wie Parfums, Aloe Vera, Vitamine und was da sonst noch mittlerweile beigemengt wird enthalten sind. Das gleiche gilt im Prinzip auch für Wattestäbchen für die Feinarbeit beim Reinigen.

Darüber hinaus sind noch ein großer Handblasebalg und ein Marderhaar- oder Kamelhaarpinsel (Antistatikpinsel/Fotopinsel) notwendig.

Vorgehensweise beim Reinigen

Arbeitsplatz wie oben beschrieben vorbereiten. Ggf. Handschuhe und OP-Maske anlegen.

Schritt (1) – Blasebalg

Grobe und lockere Verunreinigungen mit dem großen Blasebalg soweit möglich entfernen. Hierbei aber keine Druckluft von Kompressoren oder aus der Dose verwenden. Bei ersteren besteht die Gefahr, dass Schmutzpartikel aufgrund des hohen Drucks über die Fassung ins Objektiv gelangen können, bei Druckluft aus der Dose werden Treibmittel verwendet die ebenfalls ausgestoßen werden und die optischen Elemente verunreinigen können. Hinzu kommt, dass Druckluft aus Dosen stark abgekühlt ausgestoßen wird, tlw. unter dem Gefrierpunkt was wiederum zu mechanischen Spannungen im Objektiv führen kann.

Schritt (2) – Pinsel

Hartnäckigere Anhaftungen versuchen mit dem Pinsel vorsichtig zu entfernen. Dabei niemals Druck anwenden oder reiben. Diese beiden ersten Reinigungsschritte sind sehr wichtig da hierbei auch anhaftende Sandkörnchen und andere harte Partikel entfernt werden die bei der späteren Reinigung mit Flüssigkeit und Tuch sonst zu Kratzern führen können.

Nach der Reinigung nicht vergessen den Pinsel selbst zu reinigen.

Schritt (3) – Reinigungsflüssigkeit

Nach diesem zweiten Reinigungsgang geht es ins Eingemachte, die Reinigungsflüssigkeit kommt zum Einsatz. Diese niemals direkt auf die opt. Elemente geben, immer nur das Tuch oder den Wattestab damit einsprühen. Anschließend vorsichtig und systematisch die Oberfläche der Linse oder des Spiegels reinigen. Jedes Tuch nur einmal und nur kurz verwenden und dann ein neues nehmen. Dies verhindert, dass man aufgenommene Schmutzpartikel wieder auf der Oberfläche verwischt. Im Verlauf einer Reinigungsaktion leert sich so die Tücherbox deutlich und der Mülleimer ist am Ende gut gefüllt mit gebrauchten Tüchern. Nicht wirklich umweltfreundlich, ich weiß, aber allemal besser als ein neues Objektiv kaufen zu müssen nachdem das alte aufgrund falsch verstandener Sparsamkeit oder Umweltfreundlichkeit durch Verwendung zu weniger Tücher zerkratzt wurde.

Welches Wischmuster (kreisend, mittig nach außen, …) angewendet wird kommt auf den Einzelfall, die Größe der Optik usw. weiter an. Wichtig ist hier in jedem Fall, dass kein Druck angewendet wird und nicht gerieben wird auf den opt. Elementen. Wer seine Objektive liebt streichelt sie, jedenfalls beim Reinigen.

An schwer zugänglichen Stellen oder (Fassungs)Rändern kann auch ein mit Reinigungsflüssigkeit versehendes Wattestäbchen verwendet werden.

Wenn Optiken zerlegt werden müssen für die Reinigung, die Einzelteile auf sauberen Tüchern in einer verständlichen Reihenfolge lagern um den späteren Wieder-Zusammenbau zu ermöglichen/erleichtern. Unbedingt Handschuhe tragen. Ggf. an den Linsenrändern Markierungen (Edding/Bleistift) anbringen um beim späteren Zusammenbau die Linsen in korrekter Zuordnung zueinander wieder zusammen bauen zu können (Zentrierung).

Fernrohrobjektive und Kameraobjektive

Moderne Kameraobjektive namenhafter Hersteller sind i.d.R. hartvergütet, d.h. die Oberflächen sind relativ robust gegenüber mechanischer Beanspruchung (und Reinigung). Je älter die Objektive werden umso seltener ist allerdings diese robuste Art der Vergütung, hier ist dann besondere Vorsicht geboten. Bei gänzlich unvergüteten Objektiven hat man es i.d.R. mit unbekannten Glassorten unbekannter Härte und Robustheit zu tun, hier ist ebenfalls besondere Vorsicht angebracht.

Moderne Fernrohrobjektive sind heute eigentlich immer mehrschichtvergütet aber nicht zwangsläufig hartvergütet. Hier ist bei der Reinigung ebenfalls Vorsicht geboten. Bei älteren Objektiven siehe die Hinweise im vorherigen Absatz.

Optisches Zubehör

Modernes optisches Zubehör wie Okulare, Zenitprismen usw. sind heute i.d.R. hartvergütet und somit relativ unempfindlich und robust. Nichtsdestotrotz sollte auch hier eine Reinigung nur vorsichtig erfolgen. Bei älteren Okularen und opt. Zubehör gilt hinsichtlich der Vergütung auch das oben bereits gesagte.

Besonderheit Teleskophauptspiegel

Die großen Hauptspiegel von Reflektoren (>> 10 cm Durchmesser) kann man auch nach dem o.g. Muster reinigen, allerdings verwende ich hier ein anderes Verfahren für die Reinigung. Der Hauptspiegel wird zunächst aus dem Teleskop ausgebaut. Dann verlaufen die ersten beiden Schritte hier analog wie oben beschrieben. Anschließend bade ich den Hauptspiegel bis zu einer Stunde, je nach Verschmutzungsgrad, in einem warmen Wasserbad angereichert mit ein paar Tropfen (nicht mehr!) Spülmittel. Das Wasser kann man vorher auch noch durch einen Kaffeefilter laufen lassen um Schwebstoffe zu entfernen. Beim Spülmittel muss allerdings wie oben bei den Tüchern bereits beschrieben darauf geachtet werden, dass möglichst wenig/keine Hilfsmittel enthalten sind, insb. sog. rückfettende Hilfsstoffe müssen vermieden werden. Eine konkrete Empfehlung kann ich hier nicht aussprechen da sich die Produkte und Inhaltsstoffe dieser Artikel zu rasch ändern. Da muss zum geg. Zeitpunkt die örtliche Drogerie konsultiert werden nach geeigneten Mitteln.

Nach dem Wasserbad wird der Spiegel zunächst unter fließend Wasser mehrere Minuten abgespült und so von Spülmittelresten befreit. Anschließen wird der Spiegel mit destillierten/entmineralisierten Wasser gründlich abgespült und an einem möglichst staubfreien Ort zum Trocknen hingelegt. Sobald er trocken ist kann er wieder ins Teleskop eingebaut und justiert werden.

Ein letztes Wort

Soweit meine persönlichen Erfahrungen und Empfehlungen zur Reinigung von optischen Komponenten. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wurden bei Anwendung der o.g. Verfahren keine optischen Komponenten bei mir aufgrund der Reinigung verschlimmbessert. Insbesondere Okulare, Filter und tlw. Kameraobjektive werden dabei durchaus auch häufiger gereinigt. Teleskop-Objektive kommen bei mir nur alle paar Jahre an die Reihe.

All die o.g. Informationen sind an verschiedensten Stellen wenigstens in Auszügen im Netz bereits verfügbar. Ich fand es trotzdem spannend meine konkrete Vorgehensweise mal als Leitfaden auch für mich zu dokumentieren. In diesem Sinne möchte ich hier mit einem Zitat von Karl Valentin schließen, der da einst sagte :

Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.