Vergrößerungen vom Mittelformat

Da ich zunehmend auch im Mittelformat unterwegs bin habe ich mir analog zu dem Artikel Vergrößerungen vom Kleinbild auch Gedanken gemacht zu der Mindest-Druckqualität und -Scanresolution die bei Mittelformat-Negativen erforderlich ist in Abhängigkeit von der Druckgröße und dem Betrachtungsabstand.

Ursprünglich angestoßen wurden diese Überlegungen durch meine (vermeintlich) eher beschränkten Möglichkeiten Mittelform-Negative zu scannen und die sich daraus ergebene Frage welche maximale Größe und welche Qualität Ausdrucke haben können.

Für Mittelformat habe ich derzeit nur einen sehr günstig erworbenen Flachbettscanner von Canon, den Canoscan 8800F. Laut filmscanner.info hat dieser Scanner eine effektive Auflösung von nur 1600 dpi. Da ich Einzeltests grundsätzlich etwas misstraue habe ich vergleichende Untersuchungen zwischen meinem Canoscan 8800F und meinem Konica Minolta DiMAGE Scan Elite 5400 II angestellt. Als Ergebnis meiner Untersuchungen kann ich die Angaben von filmscanner.info bestätigen, auch mein Canoscan 8800F hat nur eine effektive Auflösung von 1600 dpi.

Für Kleinbild-Negative ist das in der Tat zu wenig, die Frage war ob diese Auflösung ausreichend ist für Mittelformat (6×6) Negative und welche Druckqualitäten notwendig sind und ob diese auch erreicht werden können ?

Um diese Frage zu beantworten müssen zunächst zwei Aspekte näher betrachtet werden

  • Das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges
  • Der optimale Betrachtungsabstand zum Bild

Das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges

Das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges liegt in der Regel bei Normalsichtigen bei einer Bogenminute, das sind 0,0167°. Das begrenzte Auflösungsvermögen bedeutet, wie jeder aus eigener Erfahrung bestätigen kann, dass wir uns dem betrachteten Objekt nähern müssen um mehr Details erkennen zu können. Im Rückschluss bedeutet dies, dass die Druckqualität um so höher sein muss je geringer der Betrachtungsabstand ist, respektive geringer sein kann bei zunehmenden Betrachtungsabstand, was uns zum nächsten Punkt führt.

Der optimale Betrachtungsabstand zum Bild

Das optimal nutzbare Gesichtsfeld des Auges (Sehschärfe, Farbsehen) liegt zwischen 40° .. 60°. Alles außerhalb können wir noch wahrnehmen allerdings fällt die Sehschärfe und insbesondere die Farbwahrnehmung in den äußeren Bereichen stark ab [1].

Ein nutzbares Gesichtsfeld von 40..60° wird bei einem Betrachtungsabstand erreicht der in etwa der Seitenlänge resp. der Diagonalen des betrachteten Bildes entspricht. Z.B. bei 100 cm Abstand und einer Seitenlänge von 100 cm ist der Blickwinkel 53°.

Bei einem Betrachtungsabstand von z.B. rund 30 cm reichen 300 dpi Druckqualität aus um alle Details in einem Bild auflösen zu können. Eine höhere Druckqualität würde verpuffen da das Auge die zusätzlichen Details bei dem gewählten Abstand nicht erkennen/auflösen kann. Man müsste dichter an das Bild heran gehen um von der höheren Druckqualität profitieren zu können.

Druckqualität und Betrachtungsabstand

Somit gibt es zwischen der Mindest-Druckqualität und dem Betrachtungsabstand unter Berücksichtigung des Auflösungsvermögens des menschlichen Auges folgenden Zusammenhang. In der rechten Spalte unten ist die für die verschiedenen optimalen Betrachtungsabstände notwendige Mindest-Druckqualität angegeben welche erforderlich ist, damit die Ausdrucke bei dem gegebenen Betrachtungsabstand alle vom Auge erfassbaren Details zeigen.

Betrachtungs- Abstand (cm)Auflösungsvermögen (mm)Mindest-Druckqualität (dpi)
1000,290987
600,1745146
500,1454175
450,1309194
400,1164218
300,0873291

Vergrößerungsfaktor Mittelformat

Basierend auf den Überlegungen oben sind in der Tabelle unten für verschiedene Bildgrößen die Vergrößerungsfaktoren berechnet basierend auf Mittelformat-Negativen mit einer effektiven Größe von 56 x 56 mm und die erreichbaren Auflösungen bei einer Scanresolution von 1600 dpi.

Bildgröße (cm)VergrößerungsfaktorAuflösung (dpi)
100 x 10017,8690
60 x 6010,67150
50 x 508,93179
45 x 458,00200
40 x 407,14224
30 x 305,33300

Überraschenderweise sind die Ergebnisse aus der ersten Tabelle denen der zweiten recht ähnlich. Und tatsächlich bestätigt dies auch die Praxis. Ausdrucke in den gewählten Formaten wo die Negative mit 1600 dpi gescannt wurden zeigen sich unter Einhaltung des jeweiligen optimalen Betrachtungsabstands ‚gestochen‘ scharf und zeigen alle Details welche dem Auge und seinem Auflösungsvermögen aus dem jeweiligen Betrachtungsabstand zugänglich sind.

Somit können als Ergebnis 1600 dpi Scanner-Auflösung für Mittelformat-Negative als untere Grenze angesetzt werden. Natürlich gilt auch hier je höher die Auflösung desto mehr Details werden erfasst. Diese sind aber bei dem jeweiligen optimalen Betrachtungsabstand aufgrund des begrenzten Auflösungsvermögens des menschlichen Auges nicht sichtbar und werden erst bei Annäherung an das Bild sichtbar wobei dann das Bild als Ganzes nicht mehr vom Auge erfasst werden kann.